Verenza · Südamerika
Auf den Flussbooten zwischen Iquitos, Manaus und Leticia schläft niemand in einer Kabine. Man hängt seine Hängematte zwischen zwei Haken und teilt sich das Deck mit achtzig anderen. Welche Ausrüstung dafür zählt, und welche nicht.
Für eine Amazonas-Bootsreise brauchst du drei Dinge, die sonst auf keiner Packliste stehen: eine Tuchhängematte mit zwei Seilen, ein Moskitonetz, das über die Hängematte passt, und ein Vorhängeschloss für den Rucksack. Alles drei bekommst du vor Ort auf dem Markt, meist besser und günstiger als zuhause. Mitbringen solltest du nur, was dort schwer zu finden ist.
Die Linienboote auf dem Amazonas und seinen Nebenflüssen haben zwei oder drei offene Decks. Du kaufst ein Ticket, kommst früh an Bord und hängst deine Hängematte an eines der Querrohre. Je früher du da bist, desto besser dein Platz, und Platz heißt hier vor allem Luftzug.
Die guten Plätze liegen mittschiffs, weil es dort am wenigsten schaukelt, und an der Außenseite, weil dort Wind geht. Schlecht sind die Plätze direkt neben dem Motor, dem Fernseher und den Toiletten. In der Mitte des Decks hängt es am dichtesten, dort berührt deine Hängematte die der Nachbarn.
Verpflegung ist bei mehrtägigen Fahrten meist im Ticket enthalten, reis- und hühnerlastig. Trinkwasser nicht immer.
Nicht die leichte Nylonhängematte aus dem Outdoorhandel. Die ist schmal, man liegt darin wie in einer Banane und schwitzt auf der Kunstfaser. Die hier übliche Tuchhängematte ist breit genug, um quer darin zu liegen, was den Rücken gerade hält, und Baumwolle nimmt Feuchtigkeit auf. Kauf sie auf dem Markt in Iquitos, Manaus oder Belém, dort kostet sie einen Bruchteil und ist die richtige Bauart.
Vor Ort kaufenDie Querrohre an Bord sind dick, und die mitgelieferten Schnüre vieler Hängematten sind zu kurz. Zwei Meter Seil pro Seite plus Karabiner lösen das in dreißig Sekunden, während andere noch knoten. Das ist der Teil, den du von zuhause mitbringst, weil gutes Seil vor Ort überraschend schwer zu finden ist.
Produktempfehlung folgtKlingt absurd bei dieser Hitze. Auf dem Fluss kühlt es nachts durch den Fahrtwind aber deutlich ab, und gegen vier Uhr morgens wirst du frieren. Ein Inlett reicht und ist hinterher leicht zu waschen.
Produktempfehlung folgtEin normales Reisenetz ist für ein Bett geschnitten und hängt über einer Hängematte entweder im Gesicht oder gar nicht. Du brauchst eines, das sich über die ganze Länge spannen lässt, idealerweise mit umlaufendem Saum, den du unter dich legst. Am Fluss sind Moskitos nicht nur lästig, sie übertragen in manchen Regionen Malaria und Dengue, und genau dort liegt die Nacht.
Produktempfehlung folgtAm Amazonas die höhere Konzentration als in Südostasien. Dämmerung und Morgengrauen an Deck sind die kritischen Stunden.
Produktempfehlung folgtDer Rucksack liegt tagelang auf einem offenen Deck, während du schläfst. Angeschlossen an ein Rohr ist er kein Gelegenheitsziel mehr. Wertsachen trägst du ohnehin am Körper.
Produktempfehlung folgtDie Luftfeuchtigkeit liegt dauerhaft über achtzig Prozent, dazu kommen Regengüsse, die seitlich übers Deck ziehen. Elektronik, Pass und Ersatzkleidung gehören in etwas Wasserdichtes, nicht in eine Plastiktüte.
Produktempfehlung folgtDas Wasser an Bord stammt oft direkt aus dem Fluss und ist für Reisende nicht geeignet. Eine Filterflasche löst das Problem für die ganze Fahrt, und Nachschub an gekauftem Wasser gibt es unterwegs nicht.
Produktempfehlung folgtSteckdosen an Bord gibt es wenige, und sie sind dauerhaft belegt. Netz hast du auf weiten Strecken ohnehin keines, aber das Handy ist deine Kamera.
Produktempfehlung folgtDer Motor läuft rund um die Uhr, das Deckslicht bleibt an, und der Fernseher läuft oft bis spät. Zwei Teile für zusammen vierzig Gramm, die über drei brauchbare Nächte entscheiden.
Produktempfehlung folgtDie Duschen sind einfache Nasszellen mit Flusswasser. Flip-Flops trägst du dort immer, und das Handtuch muss über Nacht trocknen können.
Produktempfehlung folgt| Strecke | Dauer | Wofür sie steht |
|---|---|---|
| Iquitos nach Santa Rosa, Peru | 2 bis 3 Tage | Der Weg zum Dreiländereck Peru, Kolumbien, Brasilien |
| Tabatinga nach Manaus, Brasilien | 3 bis 4 Tage | Die lange Etappe flussabwärts, flussaufwärts dauert sie deutlich länger |
| Manaus nach Belém, Brasilien | 4 bis 5 Tage | Bis zur Mündung, mit dem Wechsel von Regenwald zu Delta |
| Manaus nach Porto Velho, Rio Madeira | 3 bis 4 Tage | Deutlich weniger Reisende, sehr ursprünglich |
Fahrzeiten schwanken mit Wasserstand und Richtung. Flussaufwärts dauert dieselbe Strecke oft fast doppelt so lang. Verlass dich nicht auf den Fahrplan, plan einen Puffertag ein, bevor du einen Anschlussflug buchst.
Kann ich die Hängematte von zuhause mitbringen?
Du kannst, aber es lohnt selten. Die am Amazonas üblichen Tuchhängematten kosten auf dem Markt in Iquitos oder Manaus einen Bruchteil, haben den richtigen Schnitt und gehören zu den schöneren Mitbringseln. Mitbringen solltest du Seile, Karabiner und das Moskitonetz.
Lohnt sich eine Kabine statt des Decks?
Für Komfort ja, für die Erfahrung nein. Auf dem Hängemattendeck passiert alles Interessante an einer solchen Reise. Als Kompromiss buchen manche die Kabine nur für die letzte Nacht.
Wie sicher ist es an Bord?
Die Stimmung ist in aller Regel entspannt und familiär. Das Risiko ist Gelegenheitsdiebstahl, nicht Gewalt. Rucksack anschließen und Wertsachen am Körper tragen reicht aus.
Brauche ich Impfungen oder Malariaprophylaxe?
Für Teile des Amazonasbeckens wird eine Gelbfieberimpfung verlangt oder empfohlen, und die Malariasituation unterscheidet sich je nach Region. Lass dich sechs bis acht Wochen vorher reisemedizinisch beraten. Wir geben hier bewusst keine Empfehlung ab.
Gibt es Internet an Bord?
Auf weiten Strecken nicht. Lade Karten, Musik und Lesestoff vorher herunter und sag zuhause Bescheid, dass du ein paar Tage nicht erreichbar bist.